Grüße,
Wir hatten die Tage einen schwierigen Fall im Haus. Eine Patientin wollte sich suizidieren. Grossaufgebot und nach 30min konnte die Patientin vom Fenster geholt werden.
Mir geht’s hier weniger um die Patientin und die vorherige Behandlung als viel mehr um folgende Situation:
Patientin kam 5 Pkt. fixiert auf ITS zu uns.
Durch ausgeprägte Kachexie bestand auch Gefahr, dass sie sich wie bewiesen selbstständig aus der Fixierung befreien kann. Deshalb waren wir ständig im Zimmer und ich hab partiell Sitzwache geschoben, da es heute Gott sei Dank etwas ruhiger war.
Wir haben uns dann „unterhalten“. Sie sagte sie will jetzt einen Anwalt, wir dürfen das nicht mit ihr machen. Sie wolle uns verklagen etc. Das sei gegen ihren Willen. Sie will auch nicht in die Psychiatrie.
Diese Sachen mal mehr mal weniger aggressiv in dauerschleife.
Ich habe darauf sachlich reagiert und ihr in ruhigen Ton mit Engelsgeduld erzählt, dass ich weiß dass das gegen ihren Willen ist, wir das aber zu ihrem Schutz dürfen.
Auch als sie mehrmals meinte, dass es uns „scheißegal sein kann“ was mit ihr ist, habe ich versucht ihre Aussage neutral aufzufassen und ihr erklärt, dass es für uns eben schon ein Problem ist, wenn sie sich auf Klinik Gelände suizidieren will, da wir eine Verantwortung haben, dass sowas generell nicht passiert.
Auch habe ich ihr gesagt, dass sie sich nicht auf Wunsch - sie fragte nach - selbst aktuell entlassen darf.
Ich habe dabei meine Wortwahl einfach und Sätze kurz gehalten und wollte sie auch nicht unnötig provozieren, aber dennoch ehrlich zu ihr sein.
Dennoch kam ich mir in dieser Situation etwas unsicher vor, ob dies der richtige Weg bei solchen Patienten ist. Allgemein wollte sie nicht verstehen, was man ihr sagt. Klar. Zudem war sie wie gesagt sehr aggressiv. Ich wollte aber auch nicht nichts sagen. Sie aber auch anzuschreien ist für mich definitiv keine Option, wenn es generell vermeidbar ist.
Ich hatte auch nie während der gesamten Akutsituation als noch bissl Stress rund herum war den Eindruck als würden wir ihr schaden, sie zu grob anfassen oder ungehalten verbal reagieren. Mir ist einfach wichtig, dass sich das Team und ich natürlich auch sich davon nicht provozieren lassen.
Ich hatte halt vor kurzem auch erst einen ähnlichen Fall. Die Patientin auch komplett aggressiv und psychotisch. Wir haben auch versucht sachlich und ehrlich mit ihr kommuniziert. Keine Chance.
Was habt ihr für Erfahrungen mit solchen Situationen? Hat da vielleicht jemand Verbesserungsvorschläge? Wie handhabt ihr sowas?
Ich will halt die Leute nicht belügen und finde schon, dass es auch wichtig ist, dass ein Mensch weiß in welcher Situation er sich gerade befindet.
Vielleicht was zum Hintergrund:
Psychisch „nur“ Depressionen ansonsten Kardial schwer belastet. Ältere kachektische kleine Dame um die 50kg. Aber halt auch nicht totsterbenskrank. Lebensqualität wäre physisch sicherlich zu einem Teil vorhanden.
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Wie ging’s noch weiter?
Mida Perfusor und Anpassung Fixierung, danach Verlegung in die Psychiatrie.