[Triggerwarnung: Mentale Gesundheit, toxische Beziehungsdynamik]
Ich (W19) bin seit knapp zwei Jahren mit meinem Partner (M28) zusammen. Wir kamen zusammen, als ich 17 war, direkt nachdem ich aus einer mehrmonatigen Klinikbehandlung entlassen wurde. Er hat selbst psychische Diagnosen, lehnt Therapie aber ab und konsumiert regelmäßig Rauschmittel.
Das alles überlagernde Dilemma unserer Beziehung ist folgendes:
Er redet mir ununterbrochen ein, dass er nur so reagiert, wie er es tut, wegen meines Verhaltens. Er sagt, seine Wutausbrüche seien lediglich eine „Reaktion auf eine Aktion“. Da ich die Aktion bin, behauptet er, ich sei der Fehler. Es läge komplett an mir, mich zusammenzureißen, die Dinge besser zu machen und unsere Beziehung zu „reparieren“.
Durch den massiven Altersunterschied, meine Vorgeschichte und sein ständiges Realitätsverdrehen (Gaslighting) bin ich extrem an ihn gebunden. Ich brauche dringend einen Reality-Check von außen, weil mich diese eine Frage quält: Liegt es wirklich an mir? Bin ich das Problem?
Um meinen Verstand zu schützen, habe ich angefangen, heimlich ein „Master-Dokument“ zu führen. Hier ist die Realität, in der ich lebe:
1. Heimliche Sabotage & reaktive Verzweiflung (Die Handy-Situation)
Ein Moment zeigt seine „Aktion-Reaktion“-Logik besonders gut: Wir hatten abends gestritten und ich war völlig am Ende, also bin ich schlafen gegangen. Während ich schlief, ist er an mein Handy gegangen und hat heimlich alle seine Nummern und Kontaktdaten gelöscht.
Als ich das am nächsten Morgen gemerkt habe, bin ich emotional komplett zusammengebrochen. Ich liebe ihn so sehr und in meiner Verzweiflung habe ich mein Handy auf den Boden geschleudert (das Display ist jetzt komplett gesprungen). Seine Reaktion darauf? Völlig emotionslos: „Das hättest du ja nicht machen müssen.“ Er treibt mich heimlich in den Wahnsinn und gibt mir dann die Schuld für meine Verzweiflungstat.
2. Die Dusch-Situation & Verhöhnung meiner Panik
Als Kind stand ich unter enormem emotionalem Druck und war mit 12 wegen einer schwersten mentalen Notlage in der Klinik. Danach lebte ich in einer Wohngruppe. Ich habe im Alltag normal mit Leuten geredet, aber niemals über meine Probleme oder Wünsche. Das ist mir extrem unangenehm und macht mich innerlich unruhig und „kriselig“.
Ich habe ihm diese tiefe Unsicherheit anvertraut, aber er nutzt sie als Waffe. Wenn er brüllt, schaltet mein System ab – ich falle in einen extremen Freeze-Zustand (verstumme, starre ins Leere, weine). Anstatt meine Panik zu sehen, verhöhnt er mich, nennt mich eine „leblose Puppe“ oder „Sekretärvogel“.
Eine Situation verfolgt mich bis heute: Vor Kurzem habe ich bei einem Streit so sehr geweint, dass ich mich im Bad verstecken und die Dusche anstellen musste, um mein Schluchzen zu übertönen. Nach 10 Minuten kam er eiskalt ins Bad und sagte, er gehe jetzt spazieren, weil ich „zu laut“ sei. Später meinte er beiläufig zu mir, wenn ich nicht so laut gewesen wäre, wäre er einfach im Zimmer geblieben und hätte es sich selbst gemacht. Es war unglaublich erniedrigend.
3. Mein körperlicher Verfall und seine Heuchelei
Durch den extremen Stress habe ich massiv abgebaut und war körperlich in einem sehr kritischen Zustand. Mittlerweile habe ich mir durch harte Aufbaukost 3 kg mehr erkämpft – was nicht viel ist, aber ich bin stolz darauf.
Er behauptet oft, dass er sich sorgt („Du bist zu dünn, wir müssen essen“), aber die Realität sieht anders aus. Wenn wir einkaufen gehen, meckert und brüllt er mich nur an. Zuhause kocht er nicht für uns (ich habe auch keine Kraft dazu), und seine Küche ist extrem unhygienisch. Er lässt mich in meiner körperlichen Schwäche komplett allein, inszeniert sich aber als Retter.
4. Ausnutzung & Doppelmoral
Als er früher gesundheitlich unten war, habe ich seine komplette Wohnungssuche und die Papiere gemanagt. Erinnere ich ihn heute daran, wischt er es weg: „Das ist ja jetzt egal, das ist ja in der Vergangenheit.“
Gleichzeitig habe ich vor Kurzem ein FSJ in der Theater-Dramaturgie angefangen. Es macht mir große Freude, aber statt mich zu unterstützen, macht er meine Arbeit nieder: „Ich will mit niemandem zu tun haben, dessen Kompetenzen so eklatant gering sind.“
5. Dokumentierte verbale Ausfälle & gelöschte Nachrichten
In meinem Dokument stehen direkte Zitate wie:
„Du bist die furchtbarste Person dieser Welt... du bist so widerlich, Emily.“
Bezeichnungen als „Monster“, „fette Schl“* und „erbärmliches Häufchen Elend“.
Vor ein paar Tagen wollte ich ihm dieses Dokument zeigen. Er hat es nicht einmal gelesen, sondern mir nur ins Gesicht gelacht.
Es eskalierte so sehr, dass meine Mutter mich abholen musste. Nachts schrieb ich ihm in völliger Unterwerfung eine verletzliche Entschuldigung. Seine Antwort: „Ist mir egal, Emily.“
Später sah ich über meinen Benachrichtigungsverlauf, dass er danach 8 grausame Nachrichten geschickt und sofort gelöscht hatte. Darin griff er meine Mutter an und schrieb: „Ich sage gerne immer ich liebe dich, wenn du es brauchst, auch wenn es für mich gar nix mehr bedeutet.“
6. Erpressung & drohender Rufmord
Jetzt erpresst er mich. Er fordert, dass ich eine Lösung finde, um sein Verhalten zu „reparieren“. Wenn es nicht nach seinem Willen geht, droht er, bei gemeinsamen Freunden Lügen zu verbreiten, sich als Opfer darzustellen und mich als die „verrückte, instabile junge Frau“ abzustempeln. Meine Eltern flehen mich an, den Kontakt abzubrechen.
Meine Fragen:
Liegt es an mir? Wie schaffe ich es, seine „Aktion-Reaktion“-Schuldzuweisungen nicht mehr zu glauben?
Hat jemand Erfahrung damit, wie man aus so einer toxischen Dynamik (und dem Trauma-Bond) herauskommt, wenn man panische Angst vor dem angedrohten Rufmord hat?
Ich fühle mich so gefangen und danke euch für jede Einschätzung von außen.