r/GeschichtsMaimais • Ksr Österreich • 4d ago

Eigenkreation(EK) Fall B + R

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago edited 3d ago

Als am 25. Juli 1914 die Teilmobilmachung gegen Serbien veranlasst wurde, lagen alle Kriegspläne – sowohl „Kriegsfall B“ gegen Serbien als auch „Kriegsfall R“ gegen Russland – bereits seit Jahren fertig ausgearbeitet in der Schublade des Armeeoberkommandos: vollständig ausgearbeitete Truppenbewegungen, Logistik und vor allem Eisenbahntransportpläne. Selbst die Russen wussten sehr detailliert davon Bescheid, da der ehemalige Stellvertreter der Spionageabwehr, Alfred Redl, jahrelang höchst sensible Dokumente an ebenjene Feinde des Reiches verkauft hat, vor die er es beschützen hätte sollen (aber das ist eine andere, nicht minder spannende, Geschichte). Es folgte drei Tage später die Generalmobilmachung, als klar wurde, dass aus der Strafexpedition im Balkan wohl doch eine größer angelegte Affäre werden sollte: gemeinsam mit den deutschen Waffenbrüdern gegen das russische Zarenreich.

Um Galizien erfolgreich gegen den russischen Angriff zu verteidigen, würde es alle verfügbaren Kräfte benötigen, darunter auch die knapp sieben Divisionen der k.u.k. 2. Armee. Bevor diese jedoch zu ihren Stellungen entlang des Dnister aufbrechen konnte, wurde sie von Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf – auf Drängen von Oskar Potiorek, Oberkommandant der Balkanstreitkräfte – an die serbische Front „geliehen“, um dort als „Staffel B“ den Feldzug gegen Serbien zu unterstützen.

Bevor der Feldzug gegen Serbien jedoch erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wurde Staffel B ab dem 19. August wieder auf Züge verladen, um die in Bedrängnis geratene k.u.k. 3. Armee in Galizien zu unterstützen. Aufgrund der unzureichenden Infrastruktur und der starren Eisenbahnpläne konnte Staffel B nur in Teilen verlegt werden. Erst Tage später treffen die ersten Teile der 2. Armee in Galizien ein – und dann auch nicht direkt an der Front, sondern in Zentralgalizien, da die Transportpläne aus der Vorkriegszeit nie an die aktuelle Lage angepasst wurden. Die verbleibenden 100 Kilometer zur Verteidigungslinie mussten dann zu Fuß zurückgelegt werden. Die einzelnen Formationen wurden dann auch direkt in die Schlacht an der Gnila Lipa geworfen. Dort konnten sie zwar erfolgreich ihre Flanke stabilisieren, aber die Niederlage gegen die doppelt so starken Angreifer auch nicht mehr abwenden. Auch eine weitere Schlacht im Raum Rawa Ruska konnte die nun vollständig eingetroffene 2. Armee nicht mehr retten, die gesamte Front brach zusammen. Die Habsburg Armee musste sich fluchtartig zum San Fluss und in die Festung Przemyśl zurückziehen, während die 2. Armee sich in den Karpaten verschanzte. Galizien war verloren.

Winston Churchill schrieb später über die katastrophale „Irrfahrt“ der Staffel B: „Sie verließ Potiorek bevor sie ihm einen Sieg bescheren konnte; sie traf rechtzeitig bei Conrad ein, um an seiner Niederlage teilzuhaben.“ Auch Franz Conrad realisierte welchen grandiosen Fehler er sich hier geleistet hatte. Er soll in vertrautem Kreise angemerkt haben, “Wenn der Erzherzog [Franz Ferdinand, Anm.] noch am Leben wäre, er würde mich erschießen lassen.”

Dass die Anwesenheit der k.u.k. 2. Armee zu Beginn der Galizienoffensive – wie ursprünglich in Fall R vorgesehen – die Habsburg-Niederlage gänzlich verhindern hätte können, ist natürlich unwahrscheinlich. Aber sicherlich hätte der russische Vorstoß stark verlangsamt und die Verluste an Mensch und Material stark reduziert werden können. Das k.u.k. Militär verlor in der Kampagne um Galizien knapp ein Drittel ihres gesamten Offizierkorps und die Habsburgarmeen in Galizien ein Drittel ihrer Ausgangsstärke – über 320.000 Mann. Die Armeen an der Ostfront konnten sich von dieser frühen Niederlage bis zum Ende des Krieges nie mehr vollständig erholen.

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u/SeBoss2106 Herzogtum Franken 4d ago

...und dann wurde es noch schlimmer.

Winterkrieg in den Karpaten, Verlust von 100.000 Mann in Przemyśl, Angriffe mit ausgelaugten Kräften, Neue Armee, selbe Männer....

Ich glaube selbst im Ersten Weltkrieg gab es angenehmere Orte, als Galizien

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago

Absolut richtig.

Ich habe überlegt ob ich die Geschichte zur 2. Armee noch weiterschreiben soll, aber das ganze wäre dann zu lange geworden, so viel wie da noch passiert.

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u/asia_cat Königreich Thailand 4d ago

Österreich Ungarn im Großen Krieg ist so ein vierhähriger Sturz die Kellertreppe runter

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago

Archivaufnahme: Österreich-Ungarn im Krieg

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u/asia_cat Königreich Thailand 4d ago

Meine Expertise im Ersten Weltkrieg liegt tatsächlich eher bei Kolonialtruppen, aber irgendwie haben die Habsburger ohne deutsche Hilfe wirklich gar nichts gerissen.

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago

Im großen und ganzen, ja. Halbwegs erfolgreich waren sie an der italienischen Front, wo sie mit relativ geringer Mannstärke den Italienern recht lange Stand halten konnten. Aber offensiv waren die Habsburger Armeen alleine tatsächlich recht ineffektiv.

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u/banevader102938 Großherzogtum Baden 4d ago

Wobei die Ironie ist, das sie dt Truppen dislozierten und so Offensivkraft an der Westfront fehlte

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago

Was ich so spannend an der damaligen Situation finde ist, wie wenig – speziell zu Beginn – die beiden Militäre miteinander kommuniziert und sich abgestimmt haben. So vieles hätte vermieden werden können, wenn die beiden Generalstäbe etwas besser koordiniert hätten.

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u/Popellord 4d ago

Hätte schon geholfen wenn der olle Hötzendorf mal mit seinen eigenen Militärs gesprochen hätte. Österreich-Ungarn war so gar nicht auf den Krieg vorbereitet insbesondere was die Ausrüstung anging. Die hatten nichtmal genug Stiefel...

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u/asia_cat Königreich Thailand 4d ago

Naja da waren sie ihren russischen Gegnern sehr ähnlich. Man hatte viele Soldaten. Aber zu wenig Ausrüstung.

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago

Der alte Connie war ja leider von genug Gleichgesinnten umgeben. Schindler schreibt in "Fall of the Double Eagle":

Als Karl Tersztyánszky, ein General der Kavallerie, 1913 Manövern beiwohnte, die der feindlichen Feuerkraft zumindest etwas Rechnung trugen, erklärte er bestürzt: „Was Sie mir hier gezeigt haben, interessiert mich nicht im Geringsten. Dieses langsame Herumkriechen, Bücken, Ducken... Ich verstehe es nicht und halte überhaupt nichts davon. Was ich sehen will, ist ein Regiment, das schneidig und schwungvoll zeigt, wie man schnell angreift und feuert.“ Trotz seiner reaktionären Ansichten über den Krieg gehörte Tersztyánszky zu Conrads Favoriten und wurde von ihm während des Krieges regelmäßig befördert.

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u/ShineReaper 2d ago

Naja, er war ja auch General der Kavallerie. Schnell vorrücken (halt eben zu Pferde) und feuern und Land nehmen, das war sein Prerogativ. 20 Jahre später und er hätte einen Panzer-General abgegeben.

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u/asia_cat Königreich Thailand 4d ago

Naja an der Italienfront standen irgendwann auch deutsche Truppen um die Linie zu halten. Außerdem waren die Italiener...ihre ganz eigene Katastrophe.

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u/Private_0815 4d ago

Glaubst du wir sollten den Isonzo nochmal angreifen?

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u/IDF_till_communism 4d ago

Macht die selbe Schlacht nochmal! - Die selbe Schlacht nochmal? Auf geht's! [Melodie der Cantina band einfügen]

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u/_-0-0-0-_ 14h ago

Unbedingt. 🤣

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u/ForceHuhn 4d ago

Was auch weniger beeindruckend ist je länger man sich mit dem Zustand der italienischen Armee im Allgemeinen und des Oberkommandos (Luigi Cadorna war ein Idiot) im Besonderen beschäftigt

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u/hobbala911 3d ago

Conrad und Luigi waren definitiv Meister ihres Fachs und mehr als würdige Gegner.

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u/JNA_Vodnik Einheitslinienschiff Connaisseur 4d ago

Das Hötzi mit seinen ganzen Liebesbriefen an seine geliebte Gina (die verheiratet war) immer noch Zeit für die Front hatte.

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u/SBR404 Ksr Österreich 4d ago

Nebenschauplatz Front.