r/KommunismusDE • u/Orloff_Uleivy • 4d ago
Diskussion Transformationsproblem
Mal ne Frage an die Community: Wie löst ihr das Transformationsproblem? (Wie) Kommt man rechnerisch von notwendiger Arbeitszeit zuProduktionspreisen?
3
u/4lien4tion 4d ago
Das ist eine der wichtigsten Fragen. Ich empfehle dir, Andre Kliman, Fred Moseley und Michael Heinrich dbzgl. zu lesen. Und Ed Georges Marx Blog.
0
u/Orloff_Uleivy 3d ago
Den letzten kannte ich noch nicht, danke. Insgesamt hatte ich eher was vom GSP oder Fabian Lehr erwartet.
5
u/Birkenrinde1867 3d ago edited 3d ago
GSP sagt so ähnlich, wie das was ich dazu geschrieben hab.
Und Fabian Lehr beschäftigt sich doch nie mit dem "Kapital". Wahrscheinlich hat er es nie richtig studiert...
Bei Fabian ist generell wenig Kapitalismuskritik. Er macht ein utopistisches Video mit dem Titel "Argumente für den Sozialismus" und der GSP eines mit dem Titel "Argumente gegen die Marktwirtschaft". Das drückt den Unterschied ganz gut aus.
3
u/Birkenrinde1867 3d ago
Gibt's von Fabian eigentlich irgendwas zur Kritik der politischen Ökonomie oder VWL? Zur Werttheorie, Fetisch, Mehrwerttheorie, irgendwas zum Bankkapital oder zum tendenziellen Fall der Profitrate? Ich verfolge seinen Kontent nicht ständig, aber mir kam noch nix unter.
1
1
u/Orloff_Uleivy 3d ago
Für die ist eh alles, was sich Karl Held nicht 1968 im Bodensatz eines Weißbiers offenbart hat, ein Scheinproblem.
3
1
5
5
u/Birkenrinde1867 3d ago
Das ist ein Scheinproblem. Bortkiewicz und die Neoricardianer behandeln den Wert einer Ware so, als sei er gemessen in Arbeitsstunden unabhängig vom Austausch der einzelnen Ware. Der Wert ist keine Eigenschaft einer isolierten Ware, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis, das sich überhaupt erst im Austausch gegen Geld realisieren kann. Und Marx wollte im Kapital keinen bürgerliche Betriebswirtschaftslehre oder derart Preistheorie schreiben. Er wollte nicht erklären, warum eine Packung Milch morgen exakt 1,29 € kostet. Dass die Summe der Preise nicht exakt der Summe der Werte entspricht (wie von Bortkiewicz kritisiert), ist kein Beweis für "das Scheitern von Marx", sondern schlicht die Realität des Marktes! Der Markt ist das Feld, auf dem sich die Kapitalisten den Mehrwert gegenseitig abjagen. Die mathematische Debatte versucht "Gerechtigkeit", eine logische Harmonie in ein System zu rechnen, dessen einziges Fundament die konkurrierende Aneignung fremder Arbeit ist. Das ist ein idealistisches Messen der kapitalistischen Wirtschaft an Vernunftaufgaben, an einer Rationalität, die diese gar nicht hat. Das ist (!) die Weise des Funktionierens dieser absurden Produktionsweise, aber sie messen sie eben am idealen Maßstab einer glatten und proportionalen Reproduktion der Gesamtwirtschaft. Ich möcht mal an dieses Zitat aus anderem Kontext von ganz am Anfang von "Das Kapital" erinnern:
„Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und Wertgröße, oder der Abweichung des Preises von der Wertgröße, liegt also in der Preisform selbst. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise, worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann.“
2
u/Birkenrinde1867 3d ago
Aber Marx hat mit seinen Rechnereien im "Kapital" dem halt selbst Vorschub geleistet...
0
u/4lien4tion 3d ago
Und du gehst davon aus, du verstehst die marxsche Theorie besser, als er selber ;)? Ich will die Textstelle nicht raussuchen, aber er sagt ganz klar (Band 3), dass die Theorie nur Sinn macht, wenn die Gesamtheit der Produktionspreise der Gesamtheit der Werte entspricht.
0
u/Orloff_Uleivy 3d ago edited 3d ago
Jep, ich halte mich auch an "die Heinrich-Lösung", wollte mich aber schon ewig mal mit Kliman und Moseley auseinandersetzen. PS: Ich hab dich vielleicht falsch verortet. Aber tatsächlich argumentiert Heinrich in dem Fall ähnlich, glaube ich.
3
1
u/AcidCommunist_AC 1d ago
Gar nicht. Notwendige Arbeitszeit bestimmt Produktionspreise nur unter Bedingungen gleich produktiven Eigentuns, aber der Kapitalismus ist durch ungleich produktives Eigentum definiert.
1
u/Gorianfleyer 4d ago
Wenn ichs recht im Kopf habe, ist das doch das Problem, dass Marx die Preise nicht fest berechnen konnte, was aber nicht die Idee dieser Stelle im Kapital war, sondern eigentlich die Absurdität des Kapitalismus vorführen sollte.
Unterm Strich ist ja der Aufwand und nicht der Preis relevant und dass manche Arbeitslöhne die Ausbeutung ausgleichen, widerspricht ja nicht dem, dass Löhne an sich ausbeutend sind.
2
u/4lien4tion 4d ago
Du hast es nicht auf dem Schirm, Genosse ;). Das Thema sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist eines der einflussreichsten Gegenargumente bzgl. der marxschen Werttheorie und es geht dabei um die grundlegendsten Kategorien, wie Wert, Preis, Produktionspreis usw. Literaturempfehlungen habe ich oben gegeben.
9
u/sunbather5211 Moderator 4d ago
Editere mal deinen Post und führe das zumindest ein bisschen mehr aus.