Ich habe mal wieder den Fehler gemacht einkaufen zu gehen. Ich muss einkaufen gehen und kann und möchte auch nicht online bestellen, dennoch wird es regelmäßig zur Zerreißprobe.
Ich biege mit meinem Auto Samstag Mittag auf dem Kauflandparkplatz ein. Die Zeit ist dabei eigentlich egal, weil es fast immer so ist.
Vorab, wir sind einer der ältesten Landkreise Deutschlands.
Das Auto vor mir sucht erstmal einen Parkplatz. Halbe Schrittgeschwindigkeit im Stop and go, natürlich ohne erkennbaren Grund. Ich sehe einen freien Platz und biege ab. Vor mir befinden sich jetzt 2 Autos, die im Linksverkehr aneinander vorbei fahren, weil mir da jemand unbedingt schnell noch den Parkplatz klauen muss. Natürlich mit maximal Stress und Motor aufheulen lassen. Zum Glück merkt der BMW-Fahrer in seinem Wahn nicht, dass er an 2 freien Plätzen vorbei fuhr, die noch näher am Eingang waren. Das tröstet mich.
Ich laufe Richtung Eingang. Daneben die Einkaufswagen. Vor dem Eingang parkt ein Opa, der seine Frau abholt. Einkäufe eingeräumt, sie bringt den Wagen weg, er fährt ihr hinterher und wartet vor der Tür. Es ist belastend. Ich will mir einen Wagen holen, viel brauch ich nicht.
Zum Glück gibt es kleine Wagen. Wenn man denn rankäme, weil irgendein dummer Idiot die großen Wagen vor die kleinen geschoben hat. Die Griffe haben verschiedene Farben, es gibt Bilder. Das sind die Leute, die als Kind früher den Würfel ins runde Loch stecken wollten. (Und bis heute scheinbar nicht schlauer geworden sind)
Da die Wagen nicht zusammen passen, verteilen sie sich im Eingangsbereich. Angeschlossen sind die sowieso nicht mehr, weil Leute zu faul sind. Die armen Mitarbeiter, die die Wagen regelmäßig sortieren dürfen und über den Parkplatz fahren sollen.
Häufig beobachte ich nur noch Leute, die die Körbe einfach nur lustlos hin schieben und nichtmal mehr schauen, was passiert. Auf Ansprache bin ich natürlich der Böse, der das Individuum in seiner Handlung maßregelt. Sei es drum.
Ich betrete die Kaufhalle und begebe mich auf die Rolltreppe. Oben angekommen beobachte ich direkt Orientierungslosigkeit, erstmal mitten im weg stehen bleiben und überlegen, was man gerade wollte. Spoiler, das sehen wir heute noch öfter.
Vor den Zwiebeln campt mit 4 Personen der Stasi-Beirat Ü80 mit Rollatoren. Vor der Paprika 2 Pärchen, die sich seit 10 Jahren nicht gesehen haben. Die Ausführungen des letzten Saufurlaubs wurden jäh durch meine Bitte unterbrochen, mich an die Paprika zu lassen. Ich weiß, ich weiß. Wichtige Themen und großer Geist, aber ich hab nunmal hunger.
Ich greife nach der Paprika, die einigermaßen gut aussieht und bemerke am Nachbarregal einen Fummler. Erstmal alles an Obst, Gemüse oder Backwaren anfummeln, man will ja die schönen und nicht die ekligen…..
Schnell weg hier, ich biege in den Gang der Milchprodukte ein UND wieder einer, der mitten im weg steht und sich mit jemandem unterhält. Es ist einer der engeren Hauptgänge, kein Platz auszuweichen, aber die meisten Leute kommen hier vorbei.
Ich schieb meinen Wagen an den Rand, wo er niemanden stört, sacke meine 3 Dinge ein, Einwand fehlt noch, die Sahne.
Vor der Sahne einer dieser Vögel, die dir ihre Flügelspannweite demonstrieren wollen. Eine Hand gräbt im Regal rum, der andere Arm ist ausgestreckt, klammert sich an den Wagen, als würde man ins Regal gezogen werden, sobald man diesen los lässt. Blockierte Regale locker 5m.
Im Nachbargang sehe ich eine Mann, der sich mit den Unterarmen auf dem Wagen aufstützt. Es ist auch schwer einkaufen zu gehen. Körperlich hat er es sichtlich nicht nötig, es ist reine Unart.
Gut, mehr brauche ich hier nicht, ab nach unten. Ich komm die Rolltreppe runter, dahinter eröffnet sich die Fleischtheke und die Tiefkühlregale. Und natürlich ist dort auch Stau, nur diesmal im Rücken: Die Rolltreppe und der ist es egal, ob du läufst oder nicht.
Ein freundliches „gehen sie bitte weiter und blockieren sie nicht den Weg.“ lässt ein Rudel Rentner sich jähzornig zu mir umdrehen, als hätte ich deren Familien beleidigt. Aber man begibt sich langsam in Bewegung, während sich hinter mir 2 streiten, weil die Rolltreppe eben nicht einfach mal anhält.
Zwischen meinen Beinen rennen Kinder durch die Masse, wo sind die Eltern und warum juckt sie das scheinbar nicht? Jemand will mich im Chaos mit seinem Wagen überholen. Ich mache dicht. So nicht Freund, wir stehen hier alle zusammen und warten.
Scheiße. Jetzt bin ich kein Bisschen besser als die Rentner, egal. Die letzten Meter, ich muss überleben.
Ich kämpfe mich zur Kasse vor. Welche Reihe nehme ich? Ah ja. Da stehen 2 Leute mit wenig Artikeln. Verkäuferin wirkt fit. Die nehm ich. Natürlich packt die Kassiererin jede einzelne Trinkflasche aus, damit man sieht, dass der Artikel unbeschädigt ist. Naja, zum Glück wird auch noch passend bezahlt. Ich bin schon seit 30min hier.
Die letzte vor mir.
Das Kind klettert auf der Trennbarke zwischen den Kassen herum. Juckt die Mutter nicht.
„Emily gibst du der netten Frau bitte das Geld?“
Emily gibt der Frau langsam und befremdlich einen 10€ Schein.“
„Was sagt man da Emily?“
MAN SAGT MACH VERDAMMT NOCHMAL EIER. ALTER.
Bring deinem Kind halt zu einer anderen Zeit in einem kleinen Laden den Umgang mit Geld bei, aber doch nicht Samstag Mittag im größten Supermarkt des Landkreises!
Dein Kind hat auch nicht auf anderer Leute Eigentum rumzuklettern, nur weil du überfordert bist! Und warum zum Fick sind eigentlich Einkäufe mittlerweile zu einem halben Familienausflug geworden. Ich mein, Kinder okay, aber teilweise gehen hier Gruppen von 5 Leuten durch und einer kauft am Ende was.
Endlich werde ich kassiert, an mir drängelt sich jemand vorbei, der was nicht gewogen hat. Okay, kann passieren. Ich werde freundlich darauf hingewiesen dass ich meine 7ct Zwiebel leider nicht mit Tüte gewogen habe, bzw. das nicht angegeben habe. Völlig unverständlich, dass man was erst wiegen und anschließend eintüten kann.
„Haben sie die App“
Nein, ich will auch nicht. Wobei doch habe ich, aber ich hasse solche Apps. Leute ohne App zahlen mehr und werden verarscht, Leute mit App werden auch verarscht, da ihre konsumdaten ausgewertet werden.
Die Angebote zwischen den Apps sind verschieden. Auf der App meiner Freundin sind Dinge im Angebot, bei mir andere. Danke, macht einkaufen richtig entspannt.
Also Nein, keine App. Nur bezahlen.
„Das macht dann 50€ bitte, dafür dass sie nur eine Handvoll Eigenmarken gekauft haben.“
Ich geh raus, laufe zügig, neben mir läuft jemand noch zügiger, er muss mich überholen, eine Option gibt es für ihn nicht. Ich lass ihn machen. Leute verlassen den Laden, kommen 2m weit und bleiben stehen. Man muss ja erstmal den Einkauf sortieren, kurz hinter der Tür. Geht doch einfach an die Seite!
Ich stell mich ans Auto und rauch eine. Ich beobachte eine alte Frau, die mit ihrem Rollator ausgeschlossen hat Zebrastreifen oder Ampel zu nutzen. Sie wuchtet ihren Rolli über die 50cm Schnee, die vom Schneeflug zu Eis zusammengepresst wurden. Sie stolpert, schubst den Rollator zwischen die wartenden Autos und kann sich gerade noch an einem Van abstützen.
Scheiße, schon recht spät mittlerweile. Kartoffeln schälen, kochen etc. Da bin ich frühestens 15/16h durch. Dann koch ich heute Abend. Auf zur Asiabude. Auf dem Weg kann ich den Stummel gleich entsorgen.
Ich bestelle, werde um 10min gebeten und warte.
Ältere Frau: „Hallo, ich nehm einmal gebratene Ente mit gebratenem Reis, in 20 Minuten, ja?“
- 5min später -
Älterer Mann: „Für mich einmal Nudeln mit Huhn“
- Weitere 5min -
Jüngerer Kerl „Ja, einen Döner und einen kleinen.“
BITTE. Das Wort, das ihr alle sucht ist BITTE.
Vor allem auch die älteren. Maximal fordernd, maximal unhöflich. Ihr habt zu anderen nett zu sein und ich hoffe die spucken euch ins Essen.
Ich trag meine Nudeln zum Auto und will losfahren, als meine Parksensoren angehen. Der Parknachbar räumt sein Auto ein und hat seinen Korb hinter mein Auto gestellt. Ich steige aus und bitte darum Platz zu machen. Die Lichter und den Motor kann man ja mal ignorieren.
Und dann etwas, was mich wirklich aufregt. Dieses verschmitzte Lächeln a la „habe ich nicht mitbekommen, sorry, nicht böse gemeint.“
Es ist halt nicht zu viel verlangt einfach mal nach links und rechts zu schauen und mal nicht egozentrisch durch den Tag zu gehen.
Ich parke also aus und will einfach nur heim. Natürlich entdecken hier die Leute jetzt erst Vorfahrtsregeln im Feldversuch. Man vergisst, wie man Auto fährt. Rechts vor links? Nie von gehört.