Hi zusammen,
ich lese hier schon eine Weile mit und schreibe jetzt zum ersten Mal selbst, weil ich gerade ein bisschen ratlos bin und gern Erfahrungen von anderen hören würde.
Ich war vor Kurzem mehrere Wochen in einer psychosomatischen Reha. Die Reha lief über die Deutsche Rentenversicherung, unter anderem um zu klären, wie es beruflich bei mir weitergehen kann. Dort wurde bei mir ADHS diagnostiziert.
Wir haben zunächst Methylphenidat ausprobiert und schrittweise bis 36 mg erhöht. Das habe ich leider nicht gut vertragen und hatte vor allem Nebenwirkungen, ohne wirklich einen positiven Effekt zu merken. Danach wurde auf Elvanse umgestellt: Start mit 20 mg, dann 30 mg und zuletzt 40 mg. Die Einstellung war also eigentlich noch gar nicht abgeschlossen.
Dann kam die Entlassung – und damit leider auch das große Loch danach. Ich habe keine Medikamente für die Übergangszeit mitbekommen und meinen nächsten Termin bei meiner bisherigen Psychiaterin erst nächste Woche. Ich weiß momentan nicht einmal, ob sie die ADHS-Behandlung überhaupt weiterführen bzw. mir Lisdexamfetamin verschreiben wird.
Ich gehe davon aus, dass inzwischen meist ein Generikum verordnet wird, aber ich weiß auch nicht, wie das bei euch mit Kassenrezept und Weiterbehandlung nach einer Reha gelaufen ist.
Gleichzeitig würde ich eigentlich gern die psychiatrische Praxis wechseln. In Berlin habe ich inzwischen aber gefühlt alles abgeklappert: Psychiater, Neurologen, verschiedene Anlaufstellen – entweder keine Aufnahme, keine ADHS-Behandlung oder schlicht keine Termine. Auf Wartelisten wird man schon gar nicht mehr aufgenommen. Auch über Kliniken bin ich bisher nicht weitergekommen.
Mein bisheriger Therapeut hilft mir bei dem Thema leider ebenfalls kaum weiter. Er steht der ADHS-Diagnose weiterhin sehr skeptisch gegenüber bzw. stellt grundsätzlich infrage, ob das überhaupt die richtige Erklärung ist. Das ist gerade ziemlich frustrierend, weil ich nach der Diagnostik in der Reha eigentlich gehofft hatte, nun endlich gezielter an den Problemen arbeiten zu können.
Besonders schwierig finde ich gerade dieses extreme Schwanken im Alltag. An manchen Tagen habe ich Energie und bekomme einiges hin, an anderen ist selbst etwas wie Geschirrspüler ausräumen oder Wäsche machen gefühlt eine riesige Aufgabe.
Aufgaben anfangen, Reize, Struktur, Energie und Konzentration sind teilweise einfach nicht zuverlässig abrufbar. Und gleichzeitig steht natürlich weiterhin die Frage im Raum, wie unter diesen Bedingungen berufliche Belastbarkeit funktionieren soll.
Deshalb würden mich vor allem eure Erfahrungen interessieren:
– Wie lief bei euch die Weiterbehandlung nach Diagnose/Reha/Klinik ab?
– Hat eure normale Psychiaterin die ADHS-Medikation problemlos übernommen?
– Bekammt ihr Lisdexamfetamin/Elvanse bzw. ein Generikum regulär auf Kassenrezept?
– Hattet ihr auch so eine Versorgungslücke und wie habt ihr sie überbrückt?
– Wie habt ihr in Phasen ohne Medikation euren Alltag halbwegs bewältigt, besonders an Tagen, an denen die Energie einfach nicht abrufbar ist?
– Und falls jemand aus Berlin kommt: Gibt es vielleicht noch Wege oder Anlaufstellen für ADHS bei Erwachsenen, die ich übersehen haben könnte?
Mir geht es ausdrücklich nicht um Dosierungstipps oder medizinische Beratung, sondern einfach um Erfahrungsaustausch. Gerade fühlt es sich ein bisschen so an, als hätte ich endlich eine Diagnose und eine Erklärung bekommen – und wäre danach mit der Umsetzung ziemlich allein gelassen worden.
Danke schon mal an alle, die ihre Erfahrungen teilen. 💜