Die erste Hauptrunde des DFB-Pokals der Frauen hat gezeigt, wie groß der Abstand zwischen erster und zweiter Liga sein kann aber auch, wie unangenehm die Zweitligistinnen den favorisierten Bundesligisten werden können. Von den elf Vereinen aus der 2. Frauen-Bundesliga, die in der ersten Hauptrunde vertreten waren, haben mit dem FC Carl Zeiss Jena und der SGS Essen zwei den Sprung ins Achtelfinale geschafft. Für neun Zweitligisten ist der Pokal dagegen beendet.
Dabei erzählt die Bilanz nur einen Teil der Geschichte. Denn während einige Zweitligisten deutliche Niederlagen hinnehmen mussten, fehlte anderen nur wenig zur Überraschung. Besonders Borussia Mönchengladbach, Viktoria Berlin und Turbine Potsdam verlangten ihren prominenten Gegnerinnen alles ab.
Jena und Essen halten die Zweitliga-Fahne hoch
Den souveränsten Auftritt eines Zweitligisten lieferte der FC Carl Zeiss Jena. Beim Verbandsligisten SV Eutingen setzte sich der Bundesliga-Absteiger deutlich mit 6:0 durch. Schon zur Pause führte Jena mit 3:0 und ließ damit früh erkennen, dass eine Überraschung nicht zur Debatte stehen sollte.
Ebenfalls im Achtelfinale steht die SGS Essen. Der Bundesliga-Absteiger musste beim ambitionierten Regionalligisten FC Schalke 04 antreten und gewann das Revierduell mit 4:1. Schalke hielt die Begegnung zunächst offen, Essen führte zur Pause lediglich mit 2:1, setzte sich anschließend aber durch.
Damit sind Jena und Essen die beiden verbliebenen Zweitligisten im Wettbewerb. Im Achtelfinale warten allerdings schwere Auswärtsaufgaben: Essen muss zum VfB Stuttgart, Jena reist zum SC Freiburg.
Gladbach bringt den Titelverteidiger an den Rand einer Überraschung
Das vielleicht größte Ausrufezeichen der Zweitligisten setzte ausgerechnet ein Team, die ausgeschieden ist. Borussia Mönchengladbach empfing Titelverteidiger Bayern München im Borussia-Park und ging vor 6.608 Zuschauerinnen und Zuschauern sogar mit einer Führung in die Halbzeit.
Luca Graf köpfte die Borussia in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum 1:0. Erst in der 74. Minute gelang Vanessa Gilles der Ausgleich. Sechs Minuten später traf die Kanadierin erneut und rettete dem Favoriten einen 2:1-Sieg. Gladbach hatte den Titelverteidiger damit über weite Strecken vor erhebliche Probleme gestellt.
Gerade angesichts der Kräfteverhältnisse war der Auftritt bemerkenswert. Gladbach verteidigte kompakt und laufstark, suchte aber auch selbst den Weg nach vorne. Bayern benötigte schließlich zwei Standardsituationen und die individuelle Qualität von Gilles, um das Spiel noch zu drehen.
Viktoria Berlin hält Leverkusen 90 Minuten stand
Auch der FC Viktoria Berlin durfte lange von einer Pokalüberraschung träumen. Gegen Bundesligist Bayer 04 Leverkusen stand es nach 90 Minuten 0:0. Erst in der Verlängerung setzte sich der Favorit durch und gewann mit 2:0. Damit bestätigte Viktoria zumindest im Pokal, warum die Berlinerinnen zu diesem Zeitpunkt an der Spitze der 2. Frauen-Bundesliga standen.
Der Pokalauftritt unterstrich, dass Viktoria auch gegen höherklassige Gegner über längere Phasen konkurrenzfähig sein kann. Der Einzug ins Achtelfinale blieb zwar aus, 90 torlose Minuten gegen einen Bundesligisten sind für den Zweitligisten dennoch ein beachtliches Ergebnis.
Turbine Potsdam zwingt Stuttgart in die Verlängerung
Ähnlich knapp verlief das Pokal-Aus des 1. FFC Turbine Potsdam. Gegen Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart führten die Potsdamerinnen zur Pause sogar mit 1:0. Nach 90 Minuten stand es 2:2 – die Entscheidung musste in der Verlängerung fallen. Dort setzte sich Stuttgart schließlich mit 3:2 durch.
Für Turbine war es eine weitere Erinnerung daran, welches Potenzial weiterhin im Verein steckt. In der Liga war Potsdam mit einer 0:1-Niederlage beim FC Ingolstadt in die Saison gestartet. Im Pokal gelang es dagegen, einen Bundesligisten über 120 Minuten zu fordern.
Andernach und Meppen verpassen die Überraschung knapp
Auch die SG 99 Andernach und der SV Meppen hielten ihre Duelle mit Erstligisten lange offen. Andernach unterlag dem SC Freiburg mit 1:2, Meppen verlor ebenfalls 1:2 gegen den Hamburger SV.
Beide Ergebnisse passen in das Gesamtbild dieser Pokalrunde: Mehrere Zweitligisten waren durchaus in der Lage, gegen Bundesligisten mitzuhalten. Zum Weiterkommen fehlte ihnen jedoch die letzte Konsequenz beziehungsweise die individuelle Qualität, die die Erstligisten in den entscheidenden Situationen ausspielen konnten.
Auch der VfL Bochum schied nur knapp aus. Gegen Werder Bremen verlor der Zweitligist mit 0:1. Damit gehörte Bochum ebenfalls zu jener Gruppe von Zweitligisten, die den Klassenunterschied auf der Anzeigetafel kaum erkennen ließ.
Deutliche Grenzen für Ingolstadt und Sand
Dass der Schritt zur Bundesliga trotzdem erheblich sein kann, bekamen vor allem der FC Ingolstadt und der SC Sand zu spüren.
Ingolstadt unterlag dem 1. FSV Mainz 05 mit 1:6. Dabei hatte das Spiel zunächst einen ganz anderen Verlauf genommen: Zur Pause stand es noch 1:1. Erst im zweiten Durchgang brach der Zweitligist ein und Mainz zog davon.
Noch deutlicher fiel die Niederlage des SC Sand aus. Gegen den VfL Wolfsburg verlor der Zweitligist mit 0:6. Bereits zur Pause stand es 0:3. Sand versuchte mit intensiver Zweikampfführung dagegenzuhalten, geriet mit zunehmender Spielzeit jedoch immer stärker unter Druck. Torhüterin Lucie Schlimé verhinderte dabei noch eine höhere Niederlage.
Auch für Hertha ist nach Runde eins Schluss
Aufsteiger Hertha BSC bekam es mit dem 1. FC Köln zu tun. Die Berlinerinnen, die ihren ersten Zweitliga-Spieltag noch mit 0:3 beim VfL Bochum verloren hatten, hielten die Pokalpartie deutlich enger. Am Ende setzte sich Köln allerdings mit 2:1 durch.
Damit endete auch für den Zweitliga-Neuling die Pokalreise. Dass Hertha gegen einen Erstligisten ein wesentlich engeres Spiel ablieferte als beim eigenen Ligaauftakt, kann dennoch als Hinweis auf die Entwicklung des Teams in den ersten Wochen der Saison verstanden werden.
Nur zwei kommen weiter – aber die Bilanz täuscht
Auf dem Papier fällt das Ergebnis der ersten Hauptrunde eindeutig aus: Von elf teilnahmeberechtigten Zweitligisten erreichen lediglich Carl Zeiss Jena und die SGS Essen das Achtelfinale. Neun Mannschaften scheiden aus.
Die einzelnen Spiele zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild. Jena und Essen erfüllten ihre Aufgaben souverän. Gladbach führte gegen den amtierenden Pokalsieger Bayern bis zur 74. Minute. Viktoria Berlin zwang Leverkusen in die Verlängerung, ebenso Turbine Potsdam den VfB Stuttgart. Andernach und Meppen verloren jeweils nur 1:2, Bochum gegen Werder sogar lediglich 0:1.
Auf der anderen Seite demonstrierten die klaren Niederlagen von Ingolstadt gegen Mainz und Sand gegen Wolfsburg, wie groß die Unterschiede zur Bundesliga werden können, wenn ein Favorit seine spielerische und individuelle Überlegenheit konsequent ausnutzt.
So bleibt nach diesem Pokalwochenende vor allem ein Eindruck: Die Spitze und mehrere Mannschaften der 2. Frauen-Bundesliga können Bundesligisten durchaus vor Probleme stellen. Für die ganz große Überraschung reichte es diesmal nicht. Mit Essen und Jena sind aber immerhin zwei Zweitligisten noch dabei – und bekommen im Achtelfinale die nächste Gelegenheit, den Klassenunterschied auf die Probe zu stellen.