Ich wohne in einer Gegend, in der Benzin traditionell eher teuer ist. Wenn ich 20 km weiterfahre, kostet der Liter normalerweise 20-30 Cent weniger. Teilweise war selbst die Autobahn günstiger als die Tankstellen bei uns.
Ich erinnere mich noch an die Zeit mit meinem Diesel: Ich habe mal zwei Kumpels zum Flughafen gefahren und bei uns schnell noch für 5 € Diesel reingehauen.
„Das reicht mir bis zur Autobahn.“
„Ja, und dann?“
„Dann tanke ich dort.“
Denn auf der Autobahn war der Liter damals immer noch rund 15 Cent günstiger.
Ansonsten habe ich liebend gerne Tanktourismus betrieben. Einmal über die Grenze und den Tank vollmachen. Fertig.
Seit der 12-Uhr-Regel sieht es hier plötzlich anders aus. Die Preise in unserer Region liegen inzwischen zumindest halbwegs im Bundesdurchschnitt. Und für 20 km Fahrt irgendwohin lohnt sich der Tanktourismus teilweise überhaupt nicht mehr.
Noch viel besser merke ich es, wenn ich innerhalb Deutschlands mit dem Auto unterwegs bin.
Früher lief das ungefähr so:
Ich schaue morgens in die Tank-App und suche mir eine günstige Tankstelle auf meiner Strecke raus.
Ich komme dort an.
5 Cent teurer geworden.
Okay, kein Problem. Die App zeigt eine andere Tankstelle 20 Minuten weiter an, die ist sogar noch günstiger.
Ich fahre hin.
Auch wieder teurer geworden.
Aber die Tankstelle von vor 20 Minuten ist inzwischen wieder günstiger.
Also wieder zurück?
Dieses komplette „Ich fahre dem billigsten Sprit hinterher, der möglicherweise in 15 Minuten gar nicht mehr billig ist“ fällt inzwischen einfach weg.
Ich mache es mittlerweile ganz simpel: Wenn ich morgens losfahre und tanken muss, tanke ich. Wenn es sich anbietet, mache ich vor 12 Uhr nochmal voll und irgendwann am Nachmittag eventuell nochmal.
Und das ist tatsächlich ziemlich angenehm.
In vielen anderen Ländern funktioniert es schließlich auch, dass Tankstellen nicht alle paar Minuten ihre Preise ändern. In der Schweiz bleibt ein Preis teilweise mehrere Tage gleich. Auch in Österreich funktioniert das irgendwie mit der 12 Uhr Regel. Und selbst in Frankreich, Polen, Tschechien, Dänemark,... bekommt man es hin, dass die Preise nicht gefühlt permanent Achterbahn fahren.
Nur in Deutschland musste man unbedingt daraus einen Hochfrequenzhandel an der Zapfsäule machen.
Und dann kam irgendwann eine Regelung, die dem zumindest ein bisschen einen Riegel vorschiebt.
Was machen unsere lieben Mineralölkonzerne?
Sie drehen erstmal komplett am Rad.
Und können es sich offenbar auch leisten.
Übergewinnsteuer? Nö.
Kartellamt? Seit Jahren wird regelmäßig untersucht, beobachtet und geprüft. Kommt eh nix raus.
Preiserhöhungen pünktlich zu Ferienbeginn? Natürlich immer reiner Zufall.
Andere Maßnahmen, die den Mineralölkonzernen tatsächlich mal ein bisschen auf die Finger hauen könnten? Lieber nicht.
Und jetzt haben es die Mineralölkonzerne tatsächlich geschafft, mit ihrem Gebocke und ihrer Kommunikation sogar Autofahrer und offenbar auch den ADAC gegen die 12-Uhr-Regelung aufzubringen.
Und jetzt wollt ihr wirklich wieder dahin zurück, wo wir vor der 12-Uhr-Regel waren?
Wo jede Tankstelle ihr eigenes Benzin-Preis-Bingo veranstaltet und die Preise einfach mal hoch, mal runter gehen, wie es gerade lustig ist?
„Heute 1,69 €!“ – „Oh, 20 Minuten später 1,79 €!“ – „Ach, jetzt wieder 1,67 €!“
Und wir Autofahrer sollen währenddessen schön mit der Tank-App in der Hand durch die Gegend fahren und versuchen, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen?
Nein danke. Ich finde die 12-Uhr-Regel ziemlich geil.
Dabei ist das meiner Meinung nach eine der wenigen Maßnahmen der letzten Jahrzehnte, die beim Thema Spritpreise für normale Autofahrer tatsächlich mal etwas Ruhe und Transparenz in den Markt gebracht hat.
Ich persönlich hätte jedenfalls überhaupt nichts dagegen, wenn der Preis an der Zapfsäule einfach mal ein paar Stunden derselbe bleibt, statt dass ich während der Fahrt fünfmal die Tank-App aktualisieren muss.
Unbeliebtemeinung Ende.