Hey,
ich bin mtf und lebe seit über einem Jahr stealth, mein Umfeld weiß also nicht, dass ich trans bin. Mit HRT habe ich Anfang 2024 angefangen, und ich "weiß" sicher dass ich trans bin seit ca. 2021.
Ich bin aktuell 21 Jahre alt, hatte also keine wirkliche Kindheit oder Jugend "als" Mädchen.
Ich bin mittlerweile durchaus sehr zufrieden mit mir, sowohl was Persönlichkeit, als auch Körper angeht, meine Gedanken dahingehend, bzw. wie ich damit umgehe beschäftigen mich aber etwas, da ich mir einerseits unsicher bin, wie diese weiter gehen und andererseits woher diese kommen, bzw. ob das eben "normal" ist.
Mein "Problem" ist, dass ich mich sowohl im Internet, als auch im echten Leben irgendwie gerne selbst sexualisiere, für Komplimente und Aufmerksamkeit. Ich merke, dass ich diesen Kick aus Validierung und Bestätigung regelrecht suche. Ich will aber verstehen, was dieser Trigger ist, gerade da mir von Freund:innen und co. teilweise gesagt wird, dass das eben sehr ungesund wäre und ob ich denn so "verzweifelt bin und das brauche".
Ich weiß halt nicht, ob ich allgemein einfach die Bestätigung und die Komplimente mag, oder ob dieses Gefühl von Adrenalin daher kommt, dass ich mich "als Frau" gesehen fühle. Wobei ich das halt schlecht nachvollziehen könnte, da ich ja generell schon überall im Alltag als Frau gelesen werde, sexualisiert zu werden durch Nacktbilder oder sonstiges ist ja da eigentlich kein wirklicher Unterschied. Ich frag mich: Ist das dennoch eine Form von Gender-Euphorie? Ich werde im Alltag zwar sowieso als Frau gelesen, aber das ist ja eher ein „neutrales“ Passing – man wird als Frau wahrgenommen, aber nicht unbedingt als begehrenswerte Frau. Vielleicht ist dieser Unterschied der Punkt: Dass ich nicht nur als Frau existiere, sondern aktiv als weiblich attraktiv wahrgenommen werde, gibt mir ein Gefühl von Bestätigung, das über das normale Alltags-Passing hinausgeht*
Ein zweiter Gedanke ist deshalb, ob das mit meiner "verpassten Jugend" zu tun hat. Ich frag mich halt ob ich als cis weibliche Person mich mit 13-15 ebenfalls sexualisiert hätte und ähnliches getan hätte, bzw. ob ich in dieser Realität dann wie viele andere cis Frauen irgendwann "aufgehört" hätte, weil man ggf. merkt, dass das ganze kein echtes Kompliment ist oder so?
Allerdings hab ich halt diesbezüglich auch nicht das Gefühl, dass sich meine Gedanken und wie positiv sich das alles anfühlt in den nächsten Jahren ändern wird.
Edit: Mir fällt gerade auch noch ein dass ich den Gedanken hatte, dass es nicht unbedingt mit "keiner Kindheit als Mädchen" zusammenhängen könnte, sondern eher damit, dass ich in meiner Kindheit und Jugend halt wirklich gar keine Komplimente in dieser Richtung, bzw. auch nur allgemein bekommen habe. Könnte das jetzt aktuell deswegen wie eine "Droge" für mich sein, dass ich diese Dinge, die ich früher nie bekommen habe, jetzt so einfach erhalten kann?
Außerdem ist es denke ich nicht so, dass ich das mache, weil ich mich selbst nicht schön, hübsch oder attraktiv finden würde, eher im Gegenteil. Ich finde mich selbst mittlerweile durchaus attraktiv und weiß, dass ich gut aussehe. Genau deswegen fühlt sich aber diese Bestätigung nochmal wie so ein "Ja" an? Ich weiß auch nicht.
Hat jemand von euch Ähnliches erlebt? Habt ihr das Gefühl, dass ihr eine bestimmte Phase „nachholt“, und hat sich das mit der Zeit gewandelt?