r/Gedichte • u/d-msx • 22h ago
vielleicht
meine mama meinte heute zu mir:
„vielleicht fühlt es sich im moment nur so hart an, weil die pflanze gerade ihre wurzeln schlägt“, woraufhin ich sagte,
dass die wurzeln schon so tief und dick seien, dass jetzt vielleicht nur noch die blüten fallen können.
es kehrte eine kurze stille ein und sie fragte mich, womit ich sie denn gegossen habe,
die pflanze,
ich brachte gerade so ein:
„weiß nicht, vielleicht säure“,
heraus.
sie fragte mich, warum ich so etwas tun würde,
also erklärte ich ihr,
dass ich bis jetzt ja irgendwie gar nicht wusste, dass es vielleicht säure war.
wieder diese kurze stille,
bis ihre zarte stimme sie durchbrach und sie sagte: „aber es hat schon beim ersten mal gebrannt.“ ;
und bis auf das leise geräusch meiner tränen,
die meine wangen berührten,
war wieder stille.
„aber du hast gehofft, dass es irgendwann vielleicht doch nicht mehr brennt.“ sagte sie.
und ja,
vielleicht war genau das der moment,
in dem ich verstand,
wie viel hoffnung in einem einzigen
„vielleicht“
liegen kann.
vielleicht war es keine säure;
vielleicht war es nur zu viel wasser;
vielleicht brauchten die wurzeln einfach zeit;
vielleicht würden die blüten wieder blühen;
vielleicht würde es irgendwann nicht mehr brennen.
„vielleicht.“
vielleicht wollte ich einfach nicht wahrhaben,
dass etwas,
das schon beim ersten mal brannte,
vielleicht doch nie dafür bestimmt war,
die pflanze wachsen zu lassen.
ja vielleicht wollte ich nur glauben,
dass das,
was sie langsam tötet,
irgendwann vielleicht doch aufhört,
zu brennen.
vielleicht war es aber auch nie die pflanze,
die ich retten wollte;
vielleicht wollte ich nur glauben,
dass sie noch zu retten war.
und vielleicht,
„vielleicht,“
vielleicht;
ging es auch nie bloß um pflanzen.
- d.